ZUM MITNEHMEN

Aleida und Jan Assmann wurde am Sonntag, den 14.10.2018 der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2018 verliehen. Die folgenden Zitate sind ihrer Dankesrede entnommen, die sie am selben Tag in der Frankfurter Paulskirche gehalten haben.

 

"Das kollektive Gedächtnis warnt die Lebenden vor der Wiederholung von Fehlern aus der Vergangenheit und ist somit von fundamentaler Bedeutung für die Zukunft. (...)

 

Die Gesellschaft braucht ein Gedächtnis, wie der Einzelne eins braucht: um zu wissen,                         wer wir sind und was wir erwarten können, um uns zu orientieren und zu entwickeln (...).

Die Nation ist ... ein Verbund von Menschen, die sich auch an beschämende Episoden ihrer Geschichte erinnern und Verantwortung übernehmen für die ungeheuren Verbrechen,
die in ihrem Namen begangen wurden.  Hier ist ein wichtiger Unterschied zu beachten: beschämend ist allein diese Geschichte, nicht aber die befreiende Erinnerung an sie, die wir mit den Opfern teilen.
Deshalb entsteht Identität nicht durch Leugnen, Ignorieren oder Vergessen, sondern braucht ein Erinnern,   das Zurechnungsfähigkeit und Verantwortung ermöglicht und einen Wandel der Werte und des nationalen Selbstbildes stützt (...).

Es kann nicht angehen, dass es eine neoliberale Freiheit für die Bewegung von Kapital, Gütern und Rohstoffen gibt, während Migranten an Grenzen festhängen und wir die Menschen, ihr Leid und ihre Zukunft vergessen. (...)
Nicht jede Gegenstimme verdient Respekt. Sie verliert diesen Respekt, wenn sie darauf zielt, die Grundlagen für Meinungsvielfalt zu untergraben. Demokratie lebt nicht vom Streit, sondern vom Argument. Pöbeleien oder gar eine Eskalation polarisierender Symbole wie in Chemnitz führen in einen Zustand allgemeiner Verwirrung, legen die Demokratie lahm und machen sie betriebsunfähig für wichtige Aufgaben. (...)"

 

Aleida und Jan Assmann